Daily Routines 

 

„The secret of your future is hidden in your daily routine.“

Face Routine, Sleep Routine, Daily Routine. Bei dem Wort Routine fühle ich mich schon direkt erwachsen. Routine, etwas immer ähnlich und gleichmäßig zu tun, etwas was absolut nicht zu meiner Persönlichkeit passt. Ständig entdecke ich neues, will neues probieren, ändere meinen Stil, meine Pläne. Doch die Idee einer Routine löst in mir absolute Sehnsucht aus. Mit Disziplin zum Glück. So stelle ich mir das vor. 

Der Schwimmer Michael Phelps verzeichnete wohl eine der spannendsten und erfolgreichsten Karrieren, ein Leben voller Disziplin. Noch viele Jahre vor seiner Goldmedaille in Peking kam er zwei Stunden vor seinem Wettkampf ins Stadion und führte seinen absolut präzisen Plan durch. Seine Lockerungen, Aufwärmungen, Ruhemomente, immer dieselben, dieselbe Anzahl, dieselbe präzise Art der Ausführung. Immer zuerst mit dem linken Bein auf den Startblock, immer dasselbe Mindset. Phelps sagte dazu „Es ist nur eine Routine. Meine Routine. Es ist die Routine, an die ich mich schon mein ganzes Leben lang halte. Ich werde sie nicht ändern“. Doch sein Trainer gab ihm auch eine ganz andere Routine mit auf den Weg, bei der er beim Einschlafen und Aufwachen immer an dieselbe Sache denken sollte. Er nannte es das „Ansehen einer Videokassette“ eine Traumversion eines perfekten Wettkampfes. Rief sein Trainer ihm nur zu „Leg die Videokassette ein“, wuchs Phelps über seine Grenzen hinaus.
Routinen wie in diesem Beispiel können einem Halt geben, eine Vision festigen. Es wirkt hier fast so, als hätten die Gewohnheiten Besitz über ihn ergriffen. Aber dem scheint nur so. Denn kurz vor dem eigentlichen Wettkampf, hat er die Hälfte seiner Schritte schon erfolgreich übernommen. Alles lief genauso wie geplant. Das Gewinnen ist nur ein Teil dieses präzisen Planes, ein weiteres kleines Puzzleteil. Natürlich zählt dazu unfassbare Willenskraft, körperliche Höchstleistungen und Talent. Und dennoch ist diese Routine Teil des Erfolgs. Eben genau der Teil, der ihn über sich hinaus wachsen lässt. 

 

Routinen können auch ganz banal gesagt, eine Ersparnis der Energie sein. Einige Studien brachten hervor, dass schwierige Dinge durch eine Routine einfacher werden können, da bei einer erneuten Wiederholung einer Aufgabe die Neuronen oder Nervenzellen neue Verbindungen über die Verknüpfungsstellen herstellen. Durch eine erhöhte Wiederholung können diese Verbindungen noch stärker werden. Wie eine oft gefahren Strecke, welche einem irgendwann wie ganz natürlich und klar erscheint. Die kleine Menge Energie, bei der Erschaffung der Routine, steht meistens nicht im Verhältnis zu der gewonnenen Energie, wenn diese Routine gefestigt ist. 

 

Doch nimmt die Routine den kreativen Freiraum? Zunächst scheint es so. Allerdings kann eine Routine einem die Möglichkeit bieten, den vollen Fokus auf Kreativität zu haben, da es andere Dinge rigoros vereinfacht oder durch eben eine Konsequenz gar nicht erst zulässt. Durch, zum Beispiel eine Schlafroutine, eine Essensroutine oder eine Arbeitsroutine, wird auf Dauer viel mehr klar, was einem überhaupt gut tut und in welchen Bereichen Energie gewonnen wird. Das Wichtigste ist, keine Routine krampfhaft von anderen zu übernehmen. Eine Routine muss auf einen persönlich abgestimmt sein und Sinn für einen selbst ergeben.

 

„Das wird jetzt durchgezogen: jeden Morgen ein warmes Glas Wasser, ein Workout und dann ein paar Seiten lesen“  genau eine Woche geht das so. Danach trinke ich höchstens noch das warme Glas Wasser am Morgen. Diese verflixte Routine. Scheitere ich an meiner Disziplin oder habe ich nicht genug Willenskraft? Stopp. Stopp mit Stress. Es ist okay, dass etwas auch noch nicht nach dem hundertsten Mal klappt. Es ist okay, dass sich Dinge nicht gleich super anfühlen. Es ist okay, etwas nicht für sich zu fühlen. Es ist okay, nicht immer in allem am besten zu sein. Wir müssen aufhören, uns diesen Druck zu machen, uns zu strafen und an uns zu verzweifeln. Routinen können wirklich helfen und können viel bewegen. Dennoch führt der Weg nicht mit Druck in eine super-happy-Routine. Ich denke wir müssen das Thema von einer anderen Seite angehen und nicht anfangen mit Routinen, weil es uns alle anderen so vormachen, sondern weil wir etwas für uns selber tun wollen. Und das auf liebevolle Art und Weise gegenüber uns selbst. 

- Josephine Joseph

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